Fieberkrampf bei Kindern: Was Eltern wissen sollten

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Das Wichtigste in Kürze

Etwa 2–5 % aller Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren erleben mindestens einmal einen Fieberkrampf. Für Eltern wirkt er wie ein medizinischer Notfall – und das ist er in gewisser Weise auch. Denn obwohl Fieberkrämpfe oft folgenlos bleiben, kann die Situation lebensbedrohlich wirken. Hier erfährst du, wie du Fieberkrämpfe erkennst, was sie auslöst und wie du im Ernstfall sicher reagierst.

Was ist ein Fieberkrampf?

Ein Fieberkrampf ist ein plötzlicher, meist harmloser Krampfanfall, der bei Kindern im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren auftreten kann. Ursache ist nicht die Höhe des Fiebers, sondern der schnelle Temperaturanstieg – das empfindliche Nervensystem von Kleinkindern reagiert darauf mit einer vorübergehenden „Kurzschlusssituation“ im Gehirn. Für Eltern sieht ein Fieberkrampf dramatisch aus: Das Kind kann das Bewusstsein verlieren, mit den Augen wegdrehen, zucken oder ganz verkrampfen. In der Regel dauert ein solcher Anfall nur 30 Sekunden bis maximal 5 Minuten. Danach folgt meist eine Erholungsphase, in der das Kind schläfrig oder verwirrt wirkt.

Achtung: Fieberkrämpfe sind keine Epilepsie. Epileptische Anfälle treten ohne Fieber auf und haben meist andere Ursachen im Gehirn. Nur ein sehr kleiner Teil der Kinder, die einen Fieberkrampf haben, entwickelt später eine Epilepsie.

Ursachen: Warum entstehen Fieberkrämpfe?

Fieberkrämpfe treten meist bei Kindern zwischen sechs Monaten und sechs Jahren auf – am häufigsten im Alter von etwa 1 bis 3 Jahren. Auslöser ist fast immer ein rascher Anstieg der Körpertemperatur, beispielsweise zu Beginn einer Virus- oder bakteriellen Infektion. Weniger entscheidend ist, wie hoch das Fieber tatsächlich ist – selbst bei moderaten Temperaturen kann es zu einem Anfall kommen. Vermutet wird, dass die noch nicht vollständig ausgereifte Temperaturregulation im kindlichen Gehirn eine Rolle spielt. Zudem können Abwehrstoffe, die der Körper bei einer Infektion bildet, die Krampfschwelle im Gehirn vorübergehend absenken. Auch eine familiäre Veranlagung erhöht das Risiko. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen, und bei rund einem Drittel der Kinder tritt der Fieberkrampf während weiterer Infekte erneut auf.

Das sind die typischen Anzeichen eines Fieberkrampfes:

  • plötzliche Bewusstlosigkeit oder verdrehte Augen
  • Zuckungen an Armen, Beinen und im Gesicht
  • manchmal Versteifung des ganzen Körpers
  • unregelmäßige oder vorübergehend aussetzende Atmung
  • eventuelle Blaufärbung der Lippen

Wie gefährlich ist ein Fieberkrampf?

So dramatisch ein Fieberkrampf für Außenstehende wirkt – in den meisten Fällen ist er medizinisch unbedenklich und hinterlässt keine bleibenden Schäden. Es gibt keinerlei Belege dafür, dass Fieberkrämpfe zu Lernschwierigkeiten, Entwicklungsverzögerungen oder einem verringerten Intelligenzquotienten führen. Kinder erholen sich in der Regel rasch und erinnern sich nicht an das Ereignis. Dennoch sollte der erste Anfall immer ärztlich von einem Notarzt (Notruf: 112) abgeklärt werden, um ernste Ursachen wie eine Hirnhautentzündung auszuschließen und sich beraten zu lassen, wie im Falle eines erneuten Krampfes vorzugehen ist. Gefährlich wird es, wenn der Krampf länger als fünf Minuten dauert, mehrfach hintereinander auftritt oder mit weiteren bedrohlichen Symptomen einhergeht. Ebenso, wenn zusätzliche Symptome auftreten wie Hautausschlag, Erbrechen oder Nackensteifigkeit. Dann ist es wichtig, sofort den Notarzt zu rufen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Was tun bei Pseudokrupp?

1. Ruhe bewahren und Notruf (112) wählen:
Bewahre Ruhe, denn Panik überträgt sich auf das Kind. Wähle – insbesondere wenn ein Krampfanfall zum ersten Mal auftritt – den Notruf unter der Nummer 112 für ärztliche Hilfe.

2. Kind sichern und Atemwege freihalten:
Lege dein Kind auf den Boden und räume das Umfeld von Gegenständen, an welchen es sich verletzten könnte. Drehe den Kopf leicht zur Seite, um Erbrochenes oder Speichel abfließen zu lassen.

3. Kind nach dem Krampf beobachten:
Wenn der Krampfanfall vorüber ist, überwache unbedingt Atmung, Bewusstsein und Verhalten des Kindes. Achte auf alles untypische sowie auf eventuelle weitere Krankheitssymptome, die sich entwickeln.

4. Achtung: Nicht festhalten & nichts in den Mund stecken!
Versuche auf keinen Fall das Kind festzuhalten. Sowohl das Kind als auch du selbst könntest dich dabei schnell verletzten – aufgrund der Kraft, die auch ein Kleinkind in dieser Situation entwickeln kann. Du solltest auch nichts in den Mund des Kindes stecken. Dabei können Gebiss und Kiefer des Kindes schaden nehmen – aber auch deine Finger!

Kann man Fieberkrämpfe vorbeugen?

Eine zuverlässige Vorbeugung gibt es nicht – selbst schnelles Fiebersenken verhindert nicht immer einen Krampfanfall. Dennoch kann es helfen, die Temperatur bei fieberanfälligen Kindern engmaschig zu kontrollieren und bei raschem Anstieg frühzeitig fiebersenkende Maßnahmen mit dem Kinderarzt abzusprechen. Da rund ein Drittel der betroffenen Kinder weitere Anfälle erlebt, ist es sinnvoll, sich als Eltern oder Betreuungsperson gut vorzubereiten. Wer weiß, wie ein Fieberkrampf aussieht und welche Schritte im Notfall zu tun sind, bleibt ruhiger und kann dem Kind gezielt helfen. Gerade Erste- Hilfe-Kurse speziell für Kinder vermitteln wertvolles Wissen und geben Sicherheit, um in solchen Extremsituationen souverän zu reagieren – und genau das kann im Ernstfall entscheidend sein.